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Hip-Hop neben Fleetwood Mac, ein neuer Popsong neben 90er-Dance und anschließend vielleicht Indie-Rock oder Techno: Für die Generation Z sind musikalische Grenzen erstaunlich durchlässig geworden. Streaming und TikTok haben nicht nur verändert, wo junge Menschen Musik hören – sondern auch, wie sie Musik entdecken. Das klassische Denken in Genres, Jahrzehnten und Szenen verliert dabei zunehmend an Bedeutung.
„Welche Musik hörst du?“
Die Antwort auf diese Frage war früher häufig ziemlich eindeutig.
Rock. Hip-Hop. Techno. Metal. Pop.
Musik war nicht nur Geschmack, sondern oftmals Teil einer Identität. Wer Metal hörte, sah möglicherweise auch so aus. Hip-Hop, Punk, Techno oder Indie besaßen eigene Szenen, Treffpunkte und Codes.
Natürlich gibt es all das noch.
Aber die Generation Z geht erstaunlich selbstverständlich über diese Grenzen hinweg.
Ein Blick in eine persönliche Playlist kann heute musikalische Sprünge enthalten, die früher mehrere Abteilungen eines Plattenladens voneinander getrennt hätten.
Und vielleicht ist genau das die wichtigste Veränderung.
Streamingdienste haben praktisch die gesamte Musikgeschichte jederzeit verfügbar gemacht.
Wer heute 18 Jahre alt ist, muss nicht wissen, in welchem Jahr ein Song erschienen ist oder auf welchem Album er ursprünglich veröffentlicht wurde.
Er hört ihn einfach.
Dadurch verändert sich auch die Bedeutung des Alters von Musik. Ein Song aus dem Jahr 1987 steht auf dem Smartphone unmittelbar neben einer Veröffentlichung von gestern.
Für frühere Generationen war alte Musik häufig tatsächlich mit einer vergangenen Zeit verbunden. Für einen jungen Hörer kann derselbe Titel dagegen vollkommen neu sein.
Deshalb tauchen plötzlich Songs wieder auf, deren ursprüngliche Veröffentlichung Jahrzehnte zurückliegt.
TikTok und andere soziale Plattformen verstärken diesen Effekt erheblich. Ein kurzer Ausschnitt genügt, ein Song wird Teil eines Trends – und Millionen Menschen suchen anschließend nach einem Titel, der möglicherweise älter ist als ihre Eltern.
Für die Generation Z zählt deshalb immer häufiger nicht, wann ein Song erschienen ist. Entscheidend ist, ob er im richtigen Moment funktioniert.
Dabei hat sich auch verändert, wer neue Musik bekannt macht.
Früher spielten Radio, Musikfernsehen, Plattenläden und Musikzeitschriften eine zentrale Rolle als musikalische Filter.
Heute kann die erste Begegnung mit einem Song überall stattfinden.
In einem TikTok-Video. In einem Computerspiel. Bei einem Streamer auf Twitch. In einer Netflix-Serie. In einem Meme. Oder in einer automatisch erzeugten Playlist.
Untersuchungen des Musikmarktforschers Luminate zeigen beispielsweise, dass junge Musikhörer in Deutschland überdurchschnittlich häufig neue Musik über Twitch und Videospiele entdecken.
Musik findet ihr Publikum also zunehmend außerhalb klassischer Musikmedien.
Und manchmal entscheidet ein Ausschnitt von 20 Sekunden darüber, ob jemand anschließend einen fünf Minuten langen Song hören möchte.
Das Ergebnis ist ein Musikgeschmack, der schwerer in klassische Formate einzuordnen ist.
Natürlich besitzt auch die Generation Z ihre Stars und Trends. Hip-Hop, Deutschrap, Pop, elektronische Musik und Indie spielen eine große Rolle.
Doch gleichzeitig entdeckt dieselbe Generation Musik, die eigentlich ganz anderen Generationen gehört.
Das aktuelle Comeback von Nu Metal ist dafür ein interessantes Beispiel. Bands wie Linkin Park, Deftones, Korn oder Limp Bizkit erreichen wieder junge Hörer, die teilweise noch gar nicht geboren waren, als diese Musik erstmals erfolgreich wurde.
Ähnliches passiert mit 80er-Pop, 90er-Dance oder alten Rockklassikern.
Die Musikgeschichte wird dabei nicht chronologisch entdeckt.
Niemand muss erst die 70er gehört haben, bevor er bei den 80ern ankommt.
Ein Algorithmus kennt keinen Geschichtsunterricht.
Ausgerechnet die Generation, die praktisch unbegrenzten Zugang zu digitaler Musik besitzt, entwickelt gleichzeitig Interesse an etwas vollkommen Analogem.
Vinyl.
Internationale Marktdaten zeigen seit einigen Jahren ein wachsendes Interesse jüngerer Käufer an Schallplatten. Dabei geht es nicht zwangsläufig darum, Streaming zu ersetzen.
Die Platte erfüllt eine andere Funktion.
Ein Stream ist verfügbar. Eine Schallplatte besitzt man.
Cover, Artwork und das bewusste Auflegen eines Albums machen Musik wieder zu einem Gegenstand und zu einem Erlebnis. Gerade in einer Welt, in der nahezu alles sofort verfügbar und beliebig überspringbar ist, kann genau diese Langsamkeit wieder attraktiv werden.
Vielleicht ist das weniger widersprüchlich, als es zunächst klingt.
Die neue Freiheit besitzt nämlich auch eine Kehrseite.
Noch nie war so viel Musik verfügbar.
Und noch nie musste ein Hörer aus einer vergleichbar großen Menge auswählen.
Streamingdienste und soziale Netzwerke lösen dieses Problem mit Algorithmen. Sie lernen, was uns gefällt, und schlagen vor, was als Nächstes laufen könnte.
Das ist bequem – kann aber gleichzeitig dazu führen, dass der vermeintlich grenzenlose Musikgeschmack am Ende wieder in einer unsichtbaren digitalen Schublade landet.
Denn wer ausschließlich das vorgeschlagen bekommt, was seinem bisherigen Geschmack ähnelt, entdeckt möglicherweise weniger Überraschungen.
Gerade deshalb bleibt echte musikalische Neugier wichtig.
Vielleicht unterscheidet sich die Generation Z genau darin besonders stark von früheren Musikhörern.
Sie besitzt erstmals Zugriff auf nahezu die komplette Geschichte populärer Musik – gleichzeitig und am selben Ort.
Ein Song muss deshalb nicht mehr zur eigenen Jugend gehören, um zum persönlichen Lieblingssong zu werden.
Ein 18-Jähriger kann Billie Eilish hören und anschließend einen Song von Fleetwood Mac entdecken. Danach läuft
Geschrieben von: admin
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