Listeners:
Top-Hörer:
Nashville
DeutschRap
Hip-Hop
Jukebox
Leas-Fox
Jeff-Classic-Rock
JEFF – Rocks
Senza
Oxid-House
Mr.Groove
00s
90s
80s
70s
Encore
Fresh-Hit
Er begann als Koch im Saarland und wurde zum international erfolgreichsten Musikproduzenten aus Deutschland. Frank Farian verkaufte mit seinen Produktionen mehr als 800 Millionen Tonträger und erschuf mit Boney M. und Milli Vanilli zwei der spektakulärsten Popprojekte ihrer Zeit. Doch Farian produzierte nicht nur Musik. Er verstand früher als viele andere, dass Pop auch aus Bildern, Geschichten und Illusionen besteht. Manchmal sangen deshalb auf seinen Platten vollkommen andere Menschen als diejenigen, die später im Fernsehen dazu die Lippen bewegten. War Frank Farian ein musikalisches Genie, ein genialer Geschäftsmann oder der größte Illusionist der Popgeschichte? Wahrscheinlich war er von allem etwas.
Bevor aus Franz Reuther Frank Farian wurde, deutete wenig darauf hin, dass dieser Mann einmal Hunderte Millionen Schallplatten verkaufen würde. Geboren wurde er 1941 in Kirn an der Nahe, doch ein entscheidender Teil seiner Geschichte spielte sich im Saarland ab. Nach der Schule machte er eine Ausbildung zum Koch und arbeitete unter anderem in Saarbrücken und später im Ausland. Während seiner Zeit als Koch im luxemburgischen Ettelbrück erlebte er einen Auftritt, der sein Leben verändern sollte. Die neue Musik faszinierte ihn derart, dass ihm klar wurde, dass seine Zukunft nicht in einer Restaurantküche liegen würde.
Farian ging zurück ins Saarland, kaufte Instrumente und gründete Anfang der 60er-Jahre „Frankie Farian und die Schatten“. In Elversberg gehörte die Band zu den frühen Formationen, die den neuen Rock-’n‘-Roll- und Gitarrensound auf die Bühne brachten. Farian hörte amerikanischen Soul und begeisterte sich für Künstler wie Otis Redding, Ray Charles und Sam Cooke. Noch ahnte niemand, dass aus diesen musikalischen Anfängen einmal eine der außergewöhnlichsten Produzentenkarrieren der europäischen Popgeschichte entstehen würde.
Zunächst wollte Farian selbst auf die Bühne. Als Schlagersänger veröffentlichte er Platten und landete 1976 mit „Rocky“ sogar einen Nummer-eins-Hit in Deutschland. Trotzdem erkannte er irgendwann, dass seine eigentliche Stärke nicht darin lag, selbst im Rampenlicht zu stehen. Farian konnte Songs bauen und besaß ein außergewöhnliches Gespür dafür, welche Melodie hängen blieb, wie eine Stimme klingen musste und welche musikalischen Zutaten zusammen einen internationalen Popsong ergeben konnten.
Das Tonstudio betrachtete er dabei nicht einfach als Raum, in dem eine Band ihre Musik aufnahm. Für Farian war das Studio selbst ein Instrument. Dort konnte er Stimmen kombinieren, Arrangements verändern, Instrumente hinzufügen und aus verschiedenen Musikern genau den Sound zusammensetzen, den er im Kopf hatte. Diese Arbeitsweise war keineswegs ungewöhnlich, denn Studiomusiker und Session-Sänger gehörten längst zum Musikgeschäft. Farian ging jedoch einen entscheidenden Schritt weiter: Wenn die Menschen, die den perfekten Sound erzeugten, optisch nicht zu seiner Vorstellung einer Popgruppe passten, suchte er andere Menschen für die Bühne.
1974 nahm Farian einen Song namens „Baby Do You Wanna Bump“ auf und veröffentlichte ihn unter dem Namen Boney M. Die tiefen männlichen Stimmen sang er selbst und veränderte sie im Studio so, dass unterschiedliche Charaktere entstanden. Als die Aufnahme erfolgreich wurde, hatte Farian allerdings ein Problem. Eine Studiogruppe, die eigentlich nur aus einer Idee bestand, konnte schlecht im Fernsehen auftreten.
Also stellte er eine reale Gruppe zusammen. Liz Mitchell, Marcia Barrett, Maizie Williams und Bobby Farrell wurden zu den Gesichtern von Boney M. Besonders Farrell war mit seinen wilden Bewegungen und seiner enormen Bühnenpräsenz kaum zu übersehen. Die berühmte tiefe Männerstimme, die das Publikum hörte, gehörte allerdings nicht ihm, sondern Frank Farian. Auch bei den weiblichen Stimmen entsprach die Besetzung im Studio nicht immer vollständig dem Bild auf der Bühne. Liz Mitchell wurde zur entscheidenden Stimme vieler Produktionen, Marcia Barrett sang ebenfalls auf zahlreichen Aufnahmen, während Maizie Williams auf den klassischen Boney-M.-Studioaufnahmen nicht als Sängerin zu hören war.
Für das Publikum spielte diese Konstruktion damals kaum eine Rolle. Boney M. wurde zu einem weltweiten Phänomen. „Daddy Cool“, „Ma Baker“, „Rasputin“, „Rivers of Babylon“ und „Brown Girl in the Ring“ wurden internationale Hits, und Sony Music beziffert die weltweiten Verkäufe der Gruppe auf mehr als 150 Millionen Tonträger. Farian hatte damit ein Popkonzept geschaffen, das perfekt in das aufkommende Zeitalter des internationalen Fernsehens passte. Im Studio entstand der optimale Sound, während auf der Bühne eine optisch unverwechselbare Gruppe die Geschichte dazu lieferte.
Mehr als zehn Jahre später griff Farian dasselbe Prinzip erneut auf und trieb es diesmal wesentlich weiter. Rob Pilatus und Fab Morvan sahen hervorragend aus, konnten tanzen und besaßen genau jene Ausstrahlung, die Ende der 80er-Jahre im internationalen Popfernsehen funktionierte. Farian machte sie zu Milli Vanilli, doch die Stimmen auf den erfolgreichen Aufnahmen stammten von anderen Sängern, darunter Brad Howell und John Davis. Anders als bei Boney M. wurde nun der Eindruck erweckt, Pilatus und Morvan hätten die Songs tatsächlich selbst gesungen.
Milli Vanilli wurde zu einem sensationellen Erfolg. „Girl You Know It’s True“, „Blame It on the Rain“ und „Girl I’m Gonna Miss You“ machten das Duo weltweit berühmt. In den USA erreichten mehrere Singles Platz eins, das Album verkaufte sich millionenfach und 1990 erhielten Milli Vanilli sogar den Grammy als beste neue Künstler. Farian hatte seine Idee von der Trennung zwischen Stimme und Erscheinungsbild damit perfektioniert, doch genau diese Perfektion wurde schließlich zum Problem.
Als öffentlich bekannt wurde, dass Pilatus und Morvan auf den erfolgreichen Aufnahmen überhaupt nicht gesungen hatten, brach das gesamte Konstrukt zusammen. Der Grammy wurde aberkannt und Milli Vanilli wurde zum Synonym für einen der größten Täuschungsskandale der Popgeschichte. Bemerkenswert ist dabei, dass Farian schließlich selbst öffentlich machte, dass die beiden Frontmänner nicht die Sänger der Platten waren.
Was bei Boney M. weitgehend akzeptiert worden war, wurde bei Milli Vanilli zum internationalen Skandal. Der entscheidende Unterschied lag darin, dass die Illusion inzwischen nicht mehr nur Teil einer Bühnenshow war. Das Publikum glaubte, zwei Sänger zu hören, die tatsächlich überhaupt nicht auf dem Album sangen.
Gerade deshalb ist Farians Geschichte bis heute so interessant. Studiomusiker und Session-Sänger waren schon lange vor ihm vollkommen normal, und auch moderne Popproduktionen entstehen häufig aus zahllosen einzelnen Aufnahmen. Stimmen werden korrigiert, Instrumente programmiert, zusätzliche Sänger eingesetzt und manche Songs existieren zunächst vollständig im Computer, bevor ein Künstler überhaupt vor dem Mikrofon steht.
Farian erkannte sehr früh, dass Klang und Erscheinungsbild zwei unterschiedliche Bestandteile eines Popprodukts sein konnten. Im Studio suchte er die perfekte Stimme, für das Fernsehen das perfekte Gesicht. Bei Boney M. entstand daraus eine der erfolgreichsten Popgruppen der 70er-Jahre, während dasselbe Prinzip bei Milli Vanilli schließlich zum Desaster führte. Beide Geschichten zeigen deshalb erstaunlich deutlich, wie schmal die Grenze zwischen cleverer Popinszenierung und bewusster Täuschung sein kann.
Wer Frank Farian ausschließlich auf diese beiden Projekte reduziert, unterschätzt allerdings seine Karriere erheblich. Zu seinem musikalischen Imperium gehörten auch Eruption, Far Corporation, La Bouche und No Mercy. Über Jahrzehnte arbeitete er mit internationalen Musikern und entwickelte immer wieder Produktionen, die nicht nur in Deutschland, sondern vor allem auf dem internationalen Markt funktionieren sollten.
Auch nach dem Milli-Vanilli-Skandal verschwand Farian deshalb keineswegs aus dem Musikgeschäft. Sein Gespür für eingängige Melodien, internationale Sounds und kommerziell funktionierende Produktionen blieb gefragt. Am Ende seiner Karriere standen nach Angaben von Sony Music weltweit mehr als 800 Millionen verkaufte Tonträger. Nach diesen veröffentlichten Verkaufszahlen gilt Frank Farian damit als international erfolgreichster Musikproduzent aus Deutschland. Kaum ein anderer deutscher Produzent hat Popmusik in einer vergleichbaren Größenordnung weltweit verkauft.
Dieser Erfolg machte Farian natürlich auch außerordentlich wohlhabend. Wie groß sein Vermögen tatsächlich war, lässt sich allerdings nicht zuverlässig auf den Euro beziffern. Nach seinem Tod im Januar 2024 nannten deutsche Medien Schätzungen von ungefähr 120 Millionen Euro einschließlich seiner Immobilien, während andere Angaben deutlich höher lagen und teilweise bis etwa 200 Millionen Euro reichten. Eine öffentlich belegte Vermögensaufstellung existiert jedoch nicht, weshalb solche Zahlen mit Vorsicht betrachtet werden müssen.
Wesentlich besser lässt sich nachvollziehen, wie wertvoll seine Musikrechte waren. Farian erzählte 2021, dass ihm allein „Rasputin“ noch ungefähr 200.000 Euro pro Jahr einbrachte. Der Song war zu diesem Zeitpunkt bereits mehr als vier Jahrzehnte alt und hatte durch Streaming und Social Media gerade eine neue Renaissance erlebt. Genau darin zeigt sich die wirtschaftliche Dimension seines Lebenswerks, denn Farian verdiente nicht nur einmal an einer erfolgreichen Platte. Als Produzent, Autor und Rechteinhaber konnte er über Jahrzehnte davon profitieren, wenn seine Musik verkauft, gespielt, lizenziert und später gestreamt wurde.
Ein Hit wie „Rasputin“ konnte dadurch noch erhebliche Einnahmen erzeugen, als ein großer Teil seines neuen Publikums noch gar nicht geboren war, als Boney M. den Song veröffentlichte. Für einen Produzenten, der über Jahrzehnte zahlreiche internationale Hits geschaffen hatte, wurde der eigene Musikkatalog damit zu einem enorm wertvollen Vermögenswert.
Frank Farian starb im Januar 2024 im Alter von 82 Jahren in seiner Wahlheimat Miami. Hinter ihm lagen mehr als sechs Jahrzehnte Musikgeschichte, unzählige Gold- und Platinauszeichnungen, gewaltige internationale Erfolge und einer der größten Skandale der Popgeschichte. Seine Methoden kann man durchaus kritisch betrachten. Besonders die Geschichte von Milli Vanilli wirft bis heute die Frage auf, wie weit ein Produzent gehen darf, wenn aus einer künstlerischen Inszenierung eine bewusste Täuschung des Publikums wird.
Sein außergewöhnliches Talent für Popmusik lässt sich davon jedoch kaum trennen. Farian verstand Melodien, Stimmen und Rhythmen, doch vielleicht verstand er noch etwas anderes besonders früh: Ein erfolgreicher Popstar besteht nicht ausschließlich aus Musik. Er besteht aus einem Sound, einem Gesicht, einer Geschichte und einem Bild, das beim Publikum hängen bleibt.
Jahrzehnte bevor Begriffe wie Castingband oder Personal Brand selbstverständlich wurden, baute Frank Farian Popgruppen beinahe wie ein Regisseur einen Film. Die besten Stimmen mussten dabei nicht zwangsläufig zu den Menschen gehören, die später vor der Kamera standen. Bei Boney M. ging dieses Konzept spektakulär auf, bei Milli Vanilli ging es ebenso spektakulär schief.
Vielleicht beschreibt ihn deshalb tatsächlich kein Begriff besser als der Meister der Illusion. Denn Frank Farian wusste wie kaum ein anderer Produzent, dass Popmusik nicht nur davon lebt, was wir hören, sondern manchmal genauso sehr von dem, was wir glauben zu sehen.
Geschrieben von: admin
Cool music Dj EDM music Music wp themes Singer
Mit Mambo Radio kommt das Lebensgefühl Ibizas direkt ins Radio. Die Show stammt aus dem legendären Café Mambo am Sunset Strip von San Antonio – einem Ort, an dem elektronische Musik und die berühmten Sonnenuntergänge der Insel seit Jahrzehnten zusammengehören.
close
Die ganze Welt der Musik- MyHitMusic!